The Young ProfessionalDas Online-Magazin für junge Talente von Henryk Lüderitz


Wie dir Achtsamkeit bei deiner Karriere helfen kann

Achtsamkeit für Young Professionals: Hokuspokus oder notwendiger Skill?

Ein Beitrag von Redaktion The Young Professional

Achtsamkeit-Resilienz-Karriere-Young-Professionals

Achtsamkeit im Berufsalltag von Young Professionals

„Das ist nur etwas für Yogis und andere Hippies“. Diese und andere Vorurteile hört man häufiger im Zusammenhang mit dem Begriff Achtsamkeit. Was ist Achtsamkeit und hilft Achtsamkeit für die Karriere von Young Professionals? Diese Themen und passende Beispiele bespricht Henryk in diesem Interview René Träder u.a. Moderator vom Podcast 7Mind.

Henryk: Hallo René, danke, dass du dir die Zeit nimmst, mit mir über Achtsamkeit und Karriere für Young Professionals zu sprechen. Achtsamkeit hört man immer häufiger in den Medien, doch so ganz in die Business-Welt durchgedrungen ist das Thema noch nicht. Viele finden es noch zu esoterisch veranlagt, sehen das eher bei matetrinkenden Yogis oder Backpackern, die aus Indien zurückkommen. Wie stehst du zum Thema Achtsamkeit?

René: Auch ich habe am Anfang dem Thema eher skeptisch gegenübergestanden. Ich sah es als etwas eher Esoterisches oder Spirituelles, was nichts mit mir zu tun hat. Als ich mich dann näher mit Achtsamkeit auseinandergesetzt habe, merkte ich, wie viel das Thema doch mit mir zu tun hat.

Bei meinen Nachforschungen habe ich festgestellt, dass wir Menschen heutzutage gar nicht mehr „artgerecht“ leben. Viele Menschen -und dazu zählte auch ich- leben gar nicht so, wie der Körper es braucht: Wenig Schlaf, ungesunde Ernährung, Informationsoverflow über alle möglichen Kanäle, ständig 100% und mehr leisten bei der Arbeit und privat. Dadurch entsteht Dauerstress für den Körper, doch dieser Zustand wird mittlerweile als „normal“ angesehen.

Henryk: Was verstehst du unter Achtsamkeit und warum ist das wichtig?

René: Achtsamkeit bedeutet, dass man im Hier und Jetzt ist, sodass man emotional und gedanklich nicht in die Vergangenheit oder Zukunft abdriftet. Letztendlich gibt es nur diesen jetzigen Moment und dieses Bewusstsein kann man durch das Praktizieren von Achtsamkeitsübungen erschaffen.

Achtsamkeit sollte jetzt nicht als zusätzliches To-Do gesehen werden, sondern eigentlich ist es etwas ganz Natürliches, eine Haltung dem Leben und der Arbeit gegenüber. Praktiziert man Achtsamkeit regelmäßig, wird man bemerken, dass man leistungsfähiger wird, sich Dinge besser merken kann, weniger Konflikte im Alltag hat – bei der Arbeit und auch privat. Es hilft dabei, sich über sich selbst klarer zu sein.

Achtsamkeit hilft, dem entgegenzuwirken. Achtsamkeit gibt uns die Möglichkeit zu verstehen: Wie geht es mir gerade? Was brauche ich gerade? Was sind meine Bedürfnisse? Wo sind meine Grenzen? Denn wenn man all diese Dinge nicht beachtet, passiert folgendes: Die Leistungsfähigkeit sinkt mehr und mehr bis dahin, wo gar nichts mehr geht. Es resultieren Erschöpfungszustände, Frustration, innere Kündigung, Burnout oder andere psychische Erkrankungen.

Achtsamkeit für die Karriere von Young Professionals

Henryk: Wie kann Achtsamkeit Young Professionals bei der Karriere helfen?

René: In Bezug auf die Karrieregestaltung hilft Achtsamkeit enorm: Denn wenn ich weiß, was ich will, weiß ich auch, was ich tun muss und wohin es für mich geht. Ich kann (Karriere-) Ziele festlegen, diese fokussiert angehen, etc. Als Young Professional kommst du dann dahin, dass du etwas machst, weil du das selber möchtest und nicht, weil deine Familie glaubt du müsstest das machen oder du einfach nach den Möglichkeiten greifst, die dir von außen zugespielt werden.

Mit Hilfe von Achtsamkeit kannst du besser evaluieren, wo die eigenen Fähigkeiten besser eingesetzt werden können und was dich wirklich motiviert und antreibt: Ist es das Gehalt? Die Position? Oder möchte ich etwas ganz anderes machen? Sich diese Dinge bewusst zu machen mit Hilfe von Achtsamkeit hilft somit, deine Karriere in die gewünschte Bahn zu lenken.

Wie Achtsamkeit im Arbeitsalltag helfen kann

Henryk: Was bedeutet Achtsamkeit im Arbeitsalltag?

René: Für viele ist Achtsamkeit zu praktizieren, also im Hier und Jetzt zu leben, schwer. Sie denken häufig noch an vergangene Dramen oder malen sich eine sorgenbehaftete Zukunft aus. Im Arbeitsalltag könnten es folgende Fragestellungen sein:

  • Hätte ich mich mehr für meine Beförderung einsetzen sollen?
  • Hätte ich im Workshop / Meeting etwas anderes / besseres sagen können?
  • Warum hat der Kunde so reagiert?
  • Wenn ich XYZ (nicht) mache, was sind die Konsequenzen für mich?

Diese oft negativen Gedanken sind sehr belastend und schwächend. Sie fressen die eigene Energie und führen dazu, dass du weniger fokussiert deiner eigentlichen Aufgabe, die im Moment wichtig ist, nicht effizient nachgehen kannst. Zu sehr bist du mit Dingen aus der Vergangenheit oder möglichen Zukunft beschäftigt, sodass du gar nicht richtig vorankommst. Du klemmst dich förmlich an das Geschehene und kannst gar nicht loslassen. Dass die eigene Leistung darunter leidet ist verständlich.

Achtsamkeit hilft das Geschehe zu verarbeiten. Nach einem Gespräch, was mich geärgert oder frustriert hat, kann ich versuchen zu reflektieren: Was hat das Gespräch mit mir gemacht, was denke ich jetzt, wie fühle ich mich? Woran kann ich arbeiten? Häufig schieben wir Fehler oder die Schuld auf die anderen Personen und reflektieren selten über uns.

Henryk: Viele sind im Hamsterrad gefangen, ganz im Sinne von „ohne Fleiß kein Preis“. Und das zumeist auf Kosten der Gesundheit. Mit Ende 20, Anfang 30 führt das dann meistens zu Schlafproblemen, Erschöpfungszuständen, Magen-Darm-Beschwerden, um nur einige der Symptome zu nennen.

Wie kann das verhindert werden? Welche Impulse sind notwendig, um dem zu entgehen und eine gesünderer Karrierelaufbahn zu nehmen?

René: Die meisten Young Professionals haben einen Wendepunkt in ihrem Leben erlebt, wo sie merken: „Es gibt da mehr im Leben“ oder auch „meine Leistungsfähigkeit ist nicht unendlich“. Diese Erfahrung dient als Motivation sich mit den Themen Resilienz und Achtsamkeit auseinander zu setzen. Genau solche Beschwerden wie du sie genannt hast, können diese Wendepunkte sein.

Wenn du feststellst, dass du dauergestresst bist und körperliche Beschwerden hast, ist es wichtig sich eben nicht zu fragen wie die Schmerzen endlich weggehen oder wie ich es schaffe mit weniger Schlaf produktiver zu sein. Damit betrügst du deinen Körper nur, wenn du ihm nicht das gibst, was er braucht: Denn wenn wir Hunger haben, essen wir, wenn wir müde sind schlafen wir. Wenn der Körper erschöpft ist, braucht er eine Pause. Hier hören die meisten nicht hin, sondern machen einfach weiter. Selbst bei unserem Handy schließen wir es einfach an den Strom an, um es aufzuladen – bei uns nicht.

Wir können nicht erwarten, dass bei 3% Akkustand wir noch telefonieren können – aber genau das erwarten wir von unserem Körper.

Oft merken wir es nicht, wenn wir in einem leistungsorientierten Umfeld sind. Umso wichtiger ist es dann sich mindestens täglich zu fragen: Warum geht es mir gerade so wie es mir geht? Morgens und abends zu gucken: Freue ich mich auf den Tag? Habe ich Sorgen oder Ängste? Was sind die Gründe dafür? Welche Personen oder Situationen, lösen diese Gedanken aus? Wie war heute mein Tag? Was war gut oder nicht gut? Es ist wichtig, die Gründe hinter den Gedanken zu verstehen.

Es gibt keinen Zauberspruch und ein leichtes Schnipsen und dann ist alles gut. Es ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst. Diesen Weg kannst du dann mit dir allein oder mit einem Therapeuten zusammen gehen.

Achtsamkeit heißt zu prüfen: Stimmt dein Wertesystem mit dem von deinem Arbeitgeber überein?

Henryk: Sätze wie:

  • Stress kennt nur der Leistungsschwache.
  • Um 17 Uhr nach Hause gehen: Acht heute halber Gleittag?
  • Wenn du es nicht machst, dann macht es ein anderer.
  • Ich erwarte, dass es perfekt ist, alles darunter ist nicht akzeptabel.
  • Du wirst für Ergebnisse bezahlt fürs Rumgeheule.

Sind heutzutage Alltag. Häufig führt das zur folgenden Reaktion: Noch mehr in die Aufgaben reinknien, noch perfektionistischer sein, noch länger und noch härter arbeiten.

Was kann ich als Young Professional tun, wenn mein Umfeld solche ungesunden Signale aussendet?

René: Wir sind keine Sklaven und haben alle die freie Wahl. Young Professionals sind hervorragend ausgebildete Personen mit tollen Skills. Und wir haben einen Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt. Es lohnt sich hier also zu überlegen, ob ich in so einem Umfeld oder unter so einem Chef arbeiten möchte.

Bei mir springen alle Lampen an, wenn mich die Klienten fragen: Wie kann ich solche Arbeitssituationen, wie du sie eben beschrieben hast, aushalten? Ich stelle Ihnen dann die Gegenfrage: Möchtest du es denn überhaupt aushalten? Oder hast du nicht super Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Oder Selbstständigkeit? Es muss auch nicht so drastisch sein: Du kannst auch einfach mit dem Chef reden. Ihm sagen, wie es mir geht, was ich brauche, um gut arbeiten zu können.

Wichtig ist meine eigenen Glaubenssätze vorher zu hinterfragen: Erlaube ich mir das? Gestehe ich mir das Recht ein oder habe ich das Gefühl „Ich muss mich unterordnen, wegen des Gehalts, der Position“. Sehr häufig müssen wir viel weniger, als wir wirklich glauben. Kläre mit dir selbst, was deine Realität und Priorität ist und stehe dann für dich ein. Das wichtigste dabei ist Verantwortung für dich selbst zu übernehmen, um deine eigene Leistungsfähigkeit zu schützen: Für dein körperliches und psychisches Wohl zu sorgen und auch so zu handeln.

„Stell dir die Frage: Kann ich mein Verhalten bei der Arbeit die nächsten 20 Jahre durchziehen?“ René Träder, Psychologe & Journalist

Wenn die Antwort darauf „nein“ lautet, dann ist das ein großer Hinweis, dass es jetzt schon ein ungünstiges Verhalten ist und du jetzt schon etwas ändern solltest.

Wenn du merkst, dass das Wertesystem nicht mit deinem übereinstimmt, traue dich zu sagen: Ich möchte meine Leistungsfähigkeit und meine Intelligenz hier nicht mehr einsetzen. Die Entscheidung kannst du nur selbst treffen.

Was Führungskräfte zum Thema Resilienz wissen sollten

Henryk: Was rätst du Führungskräften zum Thema Resilienz?

René: Auch viele Führungskräfte haben Ängste und Sorgen: Angst ein Team zu leiten, Angst vor anstehenden Präsentationen, Angst vor Konfliktgesprächen oder schwierigen Kundenterminen. Es hilft Führungskräften, sich für diese Gespräche nicht nur fachlich vorzubereiten, sondern auch mental. Achtsamkeit hilft dabei die eigenen Gedanken zu beruhigen, die Gefühle wahrzunehmen, die Aufregung zu spüren, um sich so wieder zu zentrieren und zu fokussieren.

Besonders als Führungskraft ist es wichtig, sich mit den Themen auseinanderzusetzen- sowohl für sich selbst als auch für die Mitarbeiter. Denn als Führungskraft geht es mittlerweile auch darum, die eigenen Mitarbeiter zu unterstützen bzw. zu bremsen, wenn diese merkt, dass die Mitarbeiter ungesund verhalten.

Resilienz Buch René Träder Achtsamkeit

Das neue Buch von René Träger zum Thema Resilienz

Auf eine resiliente Entdeckungsreise gehen

Henryk: Demnächst kommt dein Buch raus. Das Thema ist Resilienz. Um was geht es da konkret?

René: Das Buch handelt über Resilienz also die Verantwortungsübername für sich selbst und raus aus dem Opfer-Dasein. Es wird die Verantwortung für das Hier und Jetzt und für meine eigene Zukunft behandelt. Resilienz ist quasi das Immunsystem unserer Psyche. Ähnlich wie Bakterien und Viren unsere Körper angreifen, können Stress, Probleme und andere Belastungen unser psychisches System angreifen. Im Buch beschreibe ich, was Resilienz ist und definiere acht Bausteine, um Resilienz aufzubauen.

Das Buch ist eine Entdeckungsreise und behandelt, wie man Resilienz stärken kann, wenn man gerade in der Krise ist. Hier bietet es sich an, die Schritt für Schritt Anleitung aus der Krise raus durchzuarbeiten. Im Buch gibt es verschiedene Übungen und Erklärungen zum Thema Resilienzaufbau. Es ist auch für Menschen geschrieben, denen es gerade ganz gut geht und die mehr Resilienz und Achtsamkeit im Leben haben möchten. Es heißt: „Das Leben so ‚nein!‘, ich so ‚doch!‘“.

Es ist inspiriert von alltäglichen Situationen wie z.B. mit deinem Chef: Der Chef sagt nein, jetzt kein Feierabend, keine Gehaltserhöhung, nein…Es gibt viele Neins in unserem Leben. Und das Buch soll beim Umgang mit dem Scheitern helfen – also eine konstruktive Fehlerkorrektur für sich selbst. Es erscheint am 28.09.2020 im Ullstein-Verlag und kommt als Hörbuch bei argon raus.

Möchtest du auch so ein Buch haben? Wir verlosen ein gedrucktes Exemplar und ein Hörbuch. Schick uns eine Mail mit dem Betreff „Verlosung Resilienz Buch“ oder kontaktiere uns über Facebook oder Instagram mit dem Hashtag #VerlosungResilienzBuch.

Wenn du das ganze Interview mit weiteren Tipps und Beispielen hören möchtest, dann schau beim Podcast von The Young Professional vorbei.

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Über den Gast: René Träder ist Psychologe (M.Sc.) und Journalist. Seit rund 20 Jahren steht er für verschiedene Radiosender hinter dem Mikrophon.

Darüber hinaus ist er auf YouTube aktiv und moderiert zwei Podcast-Formate zu den Themen Achtsamkeit und Gesundheit. (1) 7Mind-Podcast (2) Ganz schön krank, Leute.

Als Psychologe begleitet René Träder seit rund 10 Jahren zudem Veränderungsprozesse von Einzelpersonen, Teams und Unternehmen im Rahmen von Coachings, Workshops und Vorträgen. Seine zentralen Themen sind: Achtsamkeit & Resilienz, Kommunikation & Konflikte sowie Innovationen & Kreativität.

Am 28.09.2020 erscheint im Ullstein-Verlag sein Resilienzbuch „Das Leben so: NEIN, ich so: DOCH!“, das bei argon auch als Hörbuch rauskommt.

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