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Eine Frage der Gefühls-Skala

Unfähiger Chef? Das könnt ihr dagegen tun!

Ein Beitrag von Redaktion The Young Professional

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Chefs sind oft der Grund dafür,  dass uns unsere tägliche Arbeit nicht gefällt. Schnell sind wir der Meinung, dass unser Chef einfach unfähig ist. Wir sind als Redaktion der Sache mal auf den Grund gegangen. Mit Henryk zusammen ist so eine Anleitung entstanden, mit der ihr in Zukunft eure Chef-Probleme eliminieren könnt.

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Was ist eigentlich ein unfähiger Chef?

Um diese Anfangsfrage beantworten zu können, müssen wir zunächst einmal den guten Chef definieren. 

Ein guter Chef tut alles dafür, dass Mitarbeiter gut arbeiten können. So sollte bspw. in der Abteilung jeder einen Arbeitsplatz besitzen und die für ihn wichtigen Materialien vorliegen haben. Weiter müssen Mitarbeiter wissen, welche Aufgaben sie zu erledigen haben. Der gute Chef sorgt auch für ein gutes Arbeitsklima, sodass die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen. Zuletzt ist ein guter Chef gleichfalls ein guter Beobachter. Er erkennt, wenn es Mitarbeitern nicht gut geht, oder sie bspw. nicht im Team integriert sind. 

Ein unfähiger Chef erfüllt diese Aufgaben nicht. Man spricht also allgemein von einem schlechten Chef.

Es fängt bei euch an 

Bevor euer unfähiger Chef von euch konfrontiert wird, geht es um euch! Richtig: Erstmal müsst ihr für euch erkennen, was euch wirklich stört. Sucht also nach Situationen mit eurem Chef, bei denen ihr merkt, dass ihr euch nicht gut fühlt. Dabei geht es auch darum, dass ihr eine körperliche Reaktion zeigt ( z.B. Engegefühl in der Brust, Herzklopfen, allg. körperliche Anspannungen). Schreibt diese Situationen auf. Wir empfehlen euch an dieser Stelle gerne unser Notizbuch , in denen es extra eine Feedbackseite für Chefs und Mitarbeiter gibt. Zählt einmal nach, wie oft solche Situationen in der Woche vorkommen. So könnt ihr bestimmen WANN euch WAS genau stört.

Ihr geht an dieser Stelle auf Entdeckungsreise: In welcher Situation hat sich der Chef so verhalten ? Was ist eure Reaktion/Emotion und was macht ihr daraus?

Um das ganze anschaulicher zu machen, hier ein Beispiel: Managementcoach Henryk Lüderitz kennt solche Situationen aus früheren Zeiten auch. Einer seiner Chefs hatte damals seine Probleme nicht ernst genommen. Immer wenn Henryk diese angesprochen hat, hat der Chef nicht wirklich zugehört, abwertende Handbewegungen gemacht, oder gegrinst. Dadurch fühlt man sich als Mitarbeiter natürlich kein Stück ernst genommen. Ein weiteres Beispiel wäre, wenn der Chef in die Abteilung kommt und seine Mitarbeiter nicht grüßt bzw. ignoriert.

Zum Chef gehen?

Natürlich könnte man das jeweilige Problem einfach beim Chef ansprechen. Allerdings sind Chefs nicht immer unbedingt selbstreflektiert. Selbst wenn Feedback erwünscht ist, kann die Sache erstmal nach hinten losgehen. Möglicherweise geht ihr zu emotional auf euren Chef zu, was diesen eher irritiert. Das Gespräch kommt dann an dieser Stelle zu früh.

Die Gefühlsskala 

Es ist daher Zeit für einen weiteren Zwischenschritt. Bewertet eure Gefühle in den oben notierten Situationen auf einer Skala. 

0 = ganz schlimm / schlimmer geht es nicht

10 = besser geht es nicht

Wenn euer Chef euch also ignoriert, solltet ihr euch fragen: Wie schlecht fühlt ihr euch dadurch? Was müsste er sagen, damit ihr euch noch schlechter fühlt? Wie müsste er sich verhalten, damit es besser wäre? 

Meistens findet ihr dann heraus, dass es es eigentlich immer „noch schlimmer“ geht, ihr aber natürlich nicht zufrieden seid mit der Situation. 

Ihr wollt also bspw. von einer 4-5/10-Situation erstmal zu einer 6-7/10-Situation kommen. 

Die Hauptfrage hinter der Skala ist also: Wie müsste eine Situation aussehen, damit ihr euren Job gerne machen würdet.

Die Anleitung

Da ihr jetzt Situation und Gefühlsskala geklärt habt, könnt ihr deutlich sachlicher an die Sache herangehen. Überlegt erstmal, was ihr selbst tun könnt, um die Situation zu verbessern. Macht ihr wirklich alles richtig? Was könntet ihr tun, um eurem Chef zu helfen? Meistens sind die Chefs es nämlich, die eure Unterstützung oder einen Anstoß in dieser Situation benötigen. Ein als „unfähiger Chef“ klassifiziert, ist vielleicht eher ein hilfloser/überforderter Chef.

So auch bei Henryk: 

Er bemerkte in seiner eigenen Analyse, dass er  die Gespräche mit seinem Chef zwischen Tür und Angel geführt hatte. Der Chef hatte eigentlich keine Zeit für ihn und war mehr oder minder widerwillig mit ins Gespräch gegangen. Ab sofort machte Henryk lieber feste Termine mit dem Chef aus. Von da an lief es besser. Der Chef hatte sich ab dem Punkt auch wirklich Zeit für die Gespräche genommen. Auf der Gefühlsskala, konnte Henryk seine Zufriedenheit dadurch deutlich aufwerten.

Ein unfähiger Chef braucht Feedback!

 

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Klar könnte man auf der Gefühlsskala auch mit 6-7 Punkten leben, aber warum solltet ihr euch mit einem Teilerfolg zufrieden geben? 

Henryk hatte in dem Beispiel noch gar kein Feedback zum Verhalten des Chefs gegeben. Die Verbesserung kam einzig und allein durch die feste Terminierung. Doch so richtig ernst genommen wurden seine Projekte und Probleme dadurch auch weiterhin nicht.Wie konfrontiert man seinen Chef also konkret?  Hier gilt es mit Fingerspitzengefühl vorzugehen, weil der Chef  sonst möglicherweise eine Abwehrhaltung einnimmt („Was willst du denn von mir?“).Henryk hat damals das Feedback einfach anders formuliert: 

„Ich hab eine Idee wie wir noch weiter nach vorne kommen können“.

Die Erwartung des Chefs ist dann die, dass etwas Fachliches/Sachliches kommt. Gleichzeitig hat man ihm aber auch ein Feedback verkauft. Erst am Ende des Gesprächs, solltet ihr auch eine persönliche Note mit reinbringen : „ …das würde mir noch einen persönlichen zusätzlichen Motivationskick geben“. Das Feedback ist in diesem Fall also eher „Hintenrum“ formuliert. Wichtig ist dabei: Probleme sollten trotzdem konkret angesprochen werden ( also nicht im Konjunktiv bleiben) , aber von der Person des Chefs etwas losgelöst sein.

Der Umgang mit Erfolg 

Wenn ihr merkt, dass der Chef infolge des Feedbackgesprächs etwas anders macht , kommt wieder die Skala ins Spiel. Hat sich etwas ins Positive verändert? Wenn dem so ist: Wertschätzt das auf jeden Fall! Es kann nicht von heute auf morgen alles toll sein, also sollte man auch die kleineren Erfolge feiern. Auch wenn es etwas komisch sein sollte: Gebt dem Chef für seine Veränderung ruhig ein positives Feedback:

„Hey Chef, ich sehe da entwickelt sich etwas, finde ich gut!“. 

Denn auch euer Chef braucht die Bestätigung, dass sich durch sein Verhalten eine Besserung einstellt.

Unfähiger Chef? Eure Erfahrungen

Wie ist eurer Umgang mit unfähigen Chefs? Habt ihr Probleme lösen können? Schreibt uns gerne an redaktion@theyoungprofessional.de oder in die Kommentare.

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